Kolkrabe

Ein EVE Online Blog

YC119.18 – Real Life First

EVE Online Nebula

„Real Life First“ ist ein Motto, das viele Corporations an ihre Mitglieder ausgeben. Es bedeutet, dass das echte Leben immer eine höhere Priorität hat als EVE Online. Und dass man, wenn im Real Life (kurz RL) mal etwas passiert, das einen zum Beispiel von einem wichtigen Termin in New Eden abhält, keine negativen Konsequenzen von der Corp.-Leitungs zu befürchten hat. Obwohl das sehr vernünftig und logisch klingt, gilt es bei manchen doch nur bis zu einer gewissen Grenze. Und ist man zu oft abwesend, wird früher oder später doch hinterfragt, ob man noch zur Corp. passt.

Meine Corp. bewältigt gerade die Mammutaufgabe, ein neues Wurmloch bewohnbar zu machen. Dazu investiert ein harter Kern von Kapselpiloten unglaublich viel Zeit und bewegt riesige Mengen von Schiffen und Ausrüstung. Und obwohl ich einige nützliche Schiffe fliegen kann und reichlich Freizeit habe, komme ich doch nicht dazu, so viel zu helfen, wie ich gern möchte.

Es gab eine Zeit, da habe ich mich jeden Tag direkt nach der Arbeit an den PC gesetzt und erst aufgehört zu spielen, wenn es Zeit fürs Bett war. An Wochenenden und im Urlaub habe ich mich manchmal direkt nach dem Frühstück ein- und erst wieder ausgeloggt, wenn es am nächsten Morgen erneut hell wurde. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Heute bin ich froh, wenn ich es schaffe, drei Mal in der Woche ein paar Stunden in New Eden zu verbringen.

Dank meiner unverschämt geringen Arbeitszeit und sehr vielen Urlaubstagen mangelt es mir eigentlich nicht an Freizeit. Allerdings ist EVE Online nicht mehr das einzige Hobby das ich pflege und ein paar Verpflichtungen hat man als erwachsener Mensch ja auch noch. Zum Teil ist aber auch EVE Online selbst daran schuld, dass ich nicht mehr so viel Zeit in New Eden verbringe, wie ich  gern möchte.

Da ich auch beruflich den ganzen Tag am PC sitze, sind Computerspiele eigentlich das völlig falsche Hobby für mich. Jeden Wochentag acht Stunden lang dienstlich vor dem PC zu sitzen und dann noch mal acht Stunden zum eigenen Vergnügen, das ging nur die ersten Jahre lang gut. Irgendwann meldete sich der Rücken und auch die Waage wies mich auf meine mangelnde Bewegung  hin. Um sowohl meinen Beruf weiter ausüben und meinem Hobby, EVE Online, weiter frönen zu können, zwang ich mich, etwas Sport zu betreiben. Aus dem Zwang wurde dann irgendwann Routine und inzwischen habe ich sogar ein wenig Spaß daran. Meine Pläne, Sport mit EVE Online irgendwie zu kombinieren waren leider erfolglos. Sowohl der Versuch, ein Tablet zum Missionrunning (diesmal wortwörtlich) auf einem Laufband zu benutzen, als auch die Idee von Bergbau-Yoga (Bergbau betreiben, während man Yoga-Übungen macht), scheiterten.

Ein anderer Einschnitt in meine Freizeit wurde durch meinen ersten Besuch beim EVE Fanfest verursacht. Die Natur in Island hat mich damals unglaublich beeindruckt und die Wanderungen dort waren absolut atemberaubend. Das hat mich zu einem großen Outdoor-Fan gemacht, wodurch ich jetzt viel Zeit mit Wandern, Trekking und Kajak-Fahren verbringe. Obwohl ich in Europa noch keine Ecke gefunden habe, die mich so überwältigt wie Island, bin ich unterwegs trotzdem mit dem Kopf immer ganz weit weg und denke ausnahmsweise mal nicht über EVE Online nach.

Der dritte, durch EVE ausgelöste  „Freizeitfresser“ ist dieser Blog. Obwohl ich jetzt schon über drei Jahre lang Blog-Beiträge schreibe und sie mir mittlerweile leichter von der Hand gehen, brauche ich doch oft noch einen ganzen Abend pro Beitrag. Und da ich meinen wöchentlichen Rhythmus beibehalten möchte, bleibt halt jede Woche etwas weniger Zeit zum Spielen. Aber diese Zeit ist meiner Meinung nach gut investiert, denn ich habe Spaß am Schreiben, der Blog wächst und wird gelesen. Besonders freut es mich, wenn mir jemand sagt, dass er durch den Blog etwas über EVE Online gelernt hat, das er noch nicht wusste, oder inspiriert wurde, mal etwas Neues in New Eden auszuprobieren.

Wenn ich irgendwie hilfreich sei kann, ist das in EVE immer noch meine größte Freude. Der Kontostand und das Killboard sind mir nicht so wichtig wie das Gefühl, eine Flotte oder die Corp. mit dem richtigen Schiff, den richtigen Skills oder nützlichem Wissen unterstützen zu können.  Leider fehlt mir nur immer öfter die Zeit, um zuverlässig und regelmäßig zu helfen. Zum Glück nimmt meine Corp. das Motto „Real Life First“ aber wirklich ernst und niemand hat je meine Eignung für das Wurmlochleben in Frage gestellt.

Im Moment weiß ich noch nicht so richtig, wohin sich meine Balance zwischen Real Life und EVE Online entwickelt. Ich würde gern wieder mehr spielen, weiß aber nicht, wo ich Zeit dafür abknapsen soll. Vielleicht entwickle ich mich langsam zu einem dieser alten EVE Veteranen, die nur noch über das Spiel lesen, reden und schreiben, ohne es selber noch zu spielen. Es heißt ja, dass das der einzige Weg wäre, EVE Online zu gewinnen. Ich hoffe mal, dass das bei mir noch etwas dauert und ich irgendwie wieder mehr Zeit für EVE finde. Schließlich passieren ja dort auch die spannenden Geschichten, über die ich eigentlich schreiben will. o7

8 Kommentare

  1. Albaster Nashal

    10. Mai 2017 at 14:33

    Hallo,

    interessanter Beitrag, den du da geschrieben hast. Offensichtlich hast du mit deiner Corp das Glück, das sie an ihrem Standpunkten auch festhalten. Dennoch glaube ich zu lesen, dass du doch etwas Druck verspürst, was auch ganz normal ist, wenn man ein Hobby mit anderen Menschen ausübt, ist im (Mannschafts)Sport auch sehr ähnlich.

    Ich spiele praktisch in einer 2Mann-Corp und bin damit super zufrieden, wir wissen das uns Spielinhalte verborgen bleiben, aber die Freiheit die ich dadurch genieße (eben RL first, aber auch mal andere Spiele nebenbei), ist mir sehr wichtig und da habe ich mit meinem Corp-Kumpel echt Glück, da wir beide eine sehr ähnliche Auffassung diesbezüglich und unserem Spielverhalten haben. Außerhalb von EVE habe ich bereits eine Gilde geleitet, habe auch über Jahre selber gebloggt und weiß daher sehr gut, wieviel Arbeit dahintersteckt, umso schöner ist eben jetzt meine Freiheit und Unabhängigkeit.

    Einen ganzen Abend für einen einzigen Beitrag? Kann ich genau so unterschreiben. Wichtig ist das man dabei Spaß hat, den kann ich hier herauslesen. Ich finde es ungewöhnlich das es relativ viele, fleißige deutschsprachige Blogger gibt die sich mit EVE Online befassen, diesen hier besuche ich jedenfalls immer sehr gerne.

    Viele Grüße, Albaster

    • Degestus Chene

      10. Mai 2017 at 16:13

      Viele Dank für das ausführliche Feedback. Das hat mich sehr gefreut.

      Es stimmt sicher, dass ich mir selber ein wenig Druck mache ein hilfreiches Corp-Mitglied zu sein. Nötig ist das eigentlich nicht aber ich mag das Gefühl nützlich sein zu können.

  2. Albaster Nashal

    10. Mai 2017 at 20:56

    Ich könnte mir auch gut vorstellen, das man das Gefühl hat, etwas tolles zu verpassen? So würde mir das wahrscheinlich ergehen, wenn ich in eine entsprechende Corp wäre, immer im Zwiespalt mit meinen Spielevorlieben, welche mir gut tun gegenüber dem RL und Pflichtgefühl bzw. was man verpassen könnte.

    Auf jeden Fall mal schön, einen so reflektierten Artikel zu lesen.

  3. Kann ich bestätigen, Eve ist ein mächtiger Zeitfresser der – wenn man wirklich mehr machen will als nur auf der Station rumdümpeln – 95% aller anderen Aktivitäten neben sich verdrängt. Selbst Mining erfordert mehr Aufmerksamkeit als man denkt (Contis umräumen, nächsten Brocken anvisieren, rauswarpen wenn der Intel heul… ), wenn man dabei noch Abendessen richten muss, ist das eine Herausforderung die Burner Missionen billig aussehen lässt.

    Dieses Credo „RL geht immer vor“ wird auch bei uns als Mantra gepredigt, in einer Corp die voller Arbeitnehmer und Familienväter ist. Wenn die kleine Tocher schreit und nicht ins Bett will, wird halt mal im feindlichen Space ausgeloggt und am nächsten Tag eine Rettungsmission organisiert (keiner bleibt zurück!). Ein Corpmitglied das mal ein paar Tage Auszeit nimmt wird auch nicht direkt gekickt, wir sind Menschen, jeder mit einem Leben das geführt und gepflegt werden will. Eve hat einen Platz darin, aber sollte niemals dominieren. Eve bleibt ein Spiel, eine Freizeitbeschäftigung, kein Lebensinhalt. Das darf nie verwechselt werden.

    Wir spielen Eve, weil es Erfahrung und Erlebnisse bietet, die wir in einer Runde Squash oder beim Wandern nicht bekommen. Oder besser definiert: Andere Erfahrungen (Am Parkeingang campen und jeden Jogger „webscrampodden“ der vorbeikommt klingt auch nicht unbedingt legal ). Solange wir noch den Logout Button finden und auch freiwillig benutzen, ist alles gut.

    • Degestus Chene

      13. Mai 2017 at 19:46

      Ja, EVE hat wirklich einiges zu bieten, das man im RL nur schwer findet. Zum Beispiel die Adrenalinschübe, die ich beim PvP bekomme. Einen ähnlichen Kick bekomme ich im echten Leben nur, wenn ich versuche, mich bei meinem lokalen Ghetto-Netto an der Kasse vorzudrängeln. Der Rempler mit den Einkaufswagen von hinten ist dann aber auch deutlich schmerzhafter als der virtuelle Schiffsverlust.

  4. weils grad dazu passt: Wie machst du deine schicken Bilder?
    Stellst du die Schiffe selbst frei oder gibt es eine Bildersammlung der Schiffe?

    Viele Grüße
    Caldiss

  5. „Lustig, dass du gerade bei diesem Beitrag (kein Schiff in der Header-Grafik) danach fragst.“

    das ist mir nach dem verschicken auch aufgefallen :o)
    Danke für die Anleitung!

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