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YC119.27 – Eskalation

EVE Online Fortizar Citadel

Wenn man sagt, dass „etwas eskaliert ist“, dann bedeutet das meistens, dass etwas außer Kontrolle geraten ist. Eine Eskalation assoziieren die meisten Menschen mit etwas Negativem. EVE-Spieler sind da – mal wieder – etwas anders. Denn für Kapselpiloten, die gegen NPCs kämpfen, ist eine Eskalation etwas Positives. Eine Eskalationen bedeutet, dass der Kampf weitergeht, meistens gegen schwerere Gegner, für deren Abschuss es eine größere Belohnung gibt. Und auch bei einem PvP-Gefecht kann eine Eskalation erwünscht sein. Allerdings nur, solange man die Sache unter Kontrolle behält.

Der Kampf, um den es in diesem Beitrag geht, liegt schon einen Monat zurück. Damals wurde um Teilnahme an einer Flotte gebeten. Diese sollte einer befreundeten Corp Rückendeckung geben, während diese in ihrem Wurmloch eine Zitadelle aufstellt.

Während des Aufbaus hat jede Zitadelle ein 15 minütiges Zeitfenster, in dem sie angreifbar und direkt zerstörbar ist. In dieser Zeit hat sie noch keinerlei Bewaffnung und kann sich nicht verteidigen. So angreifbar wie in diesen 15 Minuten ist eine Struktur danach nie wieder. Danach können Waffen und Module eingebaut werden, die Angreifern das Leben schwer machen. Dazu kommt, dass eine fertig aufgebaute Struktur an drei aufeinander folgenden Tagen angegriffen werden muss, um zerstört zu werden. Vor allem dadurch werden Strukturen in Wurmlöchern (deren Zugänge täglich wechseln) sehr schwer angreifbar, und das 15-Minuten-Fenster wird die einzige Chance für einen schnellen Abschuss.

Da der Aufbau an einem Donnerstag stattfinden sollte, war geplant, dass wir unsere Unterstützungsflotte schon am Mittwochabend in Position bringen. Am Dienstag bekam ich dann die Nachricht, dass sich die Flotte schon etwas früher auf den Weg machen würde, da es evtl. vorher noch etwas zu schießen gab. Die Späher der Corp Ars Venandi hatten in einem Wurmloch eine Fortizar Zitadelle entdeck, die sich im Aufbau befand. Und sie hatten uns herzlich dazu eingeladen, deren Zerstörung noch etwas zu beschleunigen. Statt einer einfachen (langweiligen) Flottenverlegung bestand jetzt am Mittwoch die Chance, auch noch etwas Action zu erleben. Allerdings nur wenn uns Bob, der Gott aller Wurmlöcher, gnädig war und nicht alle Zugänge über ganz New Eden verteilte.

Bob war uns gnädig. Der Zugang zum Wurmloch mit der angreifbaren Fortizar lag zwar nicht direkt auf dem Weg zu unseren Freunden, aber es war auch kein großer Umweg (<10 Sprünge). Also zog unsere 15 Piloten starke EMSI-Flotte los, um erst zu zerstören und später zu schützen. Also erst das Vergnügen und dann die Arbeit.

Während des Fluges wurde unsere Flotte in die von Ars Venandi integriert und wir erhielten neue Infos zu dem Ziel, der angreifbaren Fortizar. Die Besitzer hatten eine Flotte aufgestellt, um den Aufbau zu verteidigen. Durch unsere Späher war außerdem bekannt, dass die Bauherren der Fortizar auch einige Capital-Schiffe besaßen. Diese könnten unsere Abrisspläne ernsthaft gefährden. Allerdings war unsere eigene Flotte inzwischen auf 50 Piloten angewachsen, womit auch ein Kampf gegen Capitals erfolgreich sein könnte.

Und genau den wollte unser FC jetzt auch. Er wollte die Eskalation. Darum entschied er, den Angriff auf die Fortizar zu starten, allerdings nur mit etwa 60% der Flotte. Der Rest wartete nur einen Sprung entfernt, bereit, jederzeit in den Kampf einzugreifen. Ich war Teil der 40%, die warten mussten und den Kampf erst mal nur im Team Speak verfolgen konnte. Dort hörte ich, dass die Bauherren der Fortizar eine Flotte von Nestoren auf Feld geworfen und fast umgehend verloren hatten. Auch die Rettungskapseln der Nestor-Piloten wurden zerstört, womit diese Piloten den Verteidigern nicht mehr zur Verfügung standen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit (tatsächlich waren es fünf Minuten) dockten die Verteidiger endlich ihre Capital-Schiffe ab. Eine Archon, eine Revelation und zwei Thanatos warpten zu unsere Flotte. Dort wurden sie sofort von einer Devoter und einer Phobos festgenagelt und konnten nicht mehr fliehen. Die Verstärkung erhielt das Kommando zum Sprung und warpte in den Kampf.

EVE Online Guardian

Guardians vor der Fortizar

Ich war dabei einer von insgesamt acht Logistik-Piloten in  einer Guardian. Gemeinsam hatten wir keine Probleme, unsere Flottenkameraden am Leben zu halten – sofern der Kampf nicht noch weiter eskalieren und der Gegner nicht vielleicht auch noch von irgendwo Verstärkung bekommen würde. Aber unsere Späher an den angrenzenden Wurmlöchern blieben still. Es sollte keine Verstärkung mehr kommen. Eins nach dem anderen explodierten die Capitals. Und am Ende dann auch die Fortizar.

EVE Online Fortizar

Das Ende der Fortizar

In der Timeline dieses Killreports kann man noch einmal sehr schön den Verlauf des Kampfes nachvollziehen.

Es war eine wirklich gute Idee des FC, einen Teil der Flotte zurückzuhalten. Dadurch hatte der Gegner die Hoffnung, mit seinen Capitals den Kampf noch gewinnen zu können. Hätten wir direkt mit voller Stärke angegriffen, wären die Schiffe sicher angedockt geblieben und wir hätten „nur“ die Fortizar abreißen können. Aber so ist der Kampf eskaliert und wir konnten uns auch noch über vier Capital-Abschüsse freuen.

Entsprechend  gut gelaunt sind wir dann auch zu unserem eigentlichem Ziel, dem Wurmloch unserer befreundeten Corp weitergeflogen, um dort am nächsten Tag einen Überfall wie den unseren zu verhindern. Allerdings wurden wir dafür gar nicht gebraucht, denn unsere Freunde hatten ihren Zitadellenaufbau viel besser im Griff als die Erbauer der Fortizar. So waren alle zufälligen Wurmlochverbindungen geschlossen worden. An den zwei festen Verbindungen und in den angrenzenden Wurmlöchern standen Späher, die jeden unbekannten Kapselpiloten meldeten. Und auch Capitals standen bereit. Allerdings nicht zum Kampf, sondern um im Notfall mit ihrer immensen Masse die Wurmlochverbindungen schlagartig zum Kollabieren zu bringen.

Hätten unsere Gegner vom Vorabend auch solche Sicherheitsmaßnahmen gehabt, wäre die Sache nicht so eskaliert. o7

3 Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag.
    Eine Frage hätte ich zu den Wurmlöchern. Wie kann ich da ein bestimmtes wieder finden?
    Mir scheint das alles völlig zufällig zu sein. Gelingt dies nur mit mehreren Spielern, von denen welche noch drin sind und so einen Ausgang scannen und dann den Eingang als Bookmarks im knwon space teilen – oder gibts es da irgendeinen Kniff? Sprich, wenn ich als Solo-Spieler raus bin und der Eingang ist weg, komm ich doch nie wieder ins gleiche rein – oder liege ich da falsch?

    Viele Grüße
    Caldiss

    • Degestus Chene

      13. Juli 2017 at 21:51

      Freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat.

      Ja, die Verbindungen sind absolut zufällig. Es gibt Regeln, wie wahrscheinlich eine Wurmlochgröße (C1 – C6) mit einer anderen verbunden ist. Es gibt auch sogenannte statische Verbindungen, die aber nicht bedeuten dass die gleichen Wurmlöcher verbunden bleiben.

      Wurmlöcher wiederzufinden ist aufwendig aber mit viel Zeit und genug Leuten möglich. Als Solo-Spieler ein „verlorenes“ WH wiederzufinden wird extrem schwer.

      Gruppen wie Signal Cartel (eve-scout.com) helfen Piloten die in WHs festsitzen oder ein bestimmtes WH suchen.

    • Danke für den Link. Da ich bereits einmal ohne Sonden den Schleudersitz betätigen musste, schreibe ich mir dick gut in mein Logbuch 😉

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